Einen für mich ganz typischer Fall von subtiler Negativ-Berichterstattung über Singles habe ich gerade bei focus online gefunden. Online-Autorin Christiane Fux berichtet:
Singles sterben früher
Innerhalb von zwei Jahren erlitten 646 Studienteilnehmer ein so genanntes akutes Koronarsyndrom. Dabei handelt es sich um lebensbedrohliche Durchblutungsstörungen des Herzens, wie sie bei einem Herzinfarkt, einer Angina pectoris (Herzenge) oder dem plötzlichen Herztod auftreten. Im Rahmen der Studie traf dies besonders häufig ältere, allein stehende Menschen. Ein Drittel der in der Studie beobachteten Patienten, die innerhalb von 30 Tagen an den Folgen der mangelnden Herzdurchblutung starben, waren Single-Frauen über 60. Diese stellen aber nur 5,4 Prozent der dänischen Bevölkerung. Noch eindeutiger sah es in der Gruppe der über 50-jährigen Männer aus: Zwei Drittel der akuten Koronarsyndrome trafen Studienteilnehmer aus dieser Gruppe, die aber nur 7,7 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Die Forscher vermuten, dass Singles stärker zu einem ungesunden Lebenswandel neigen: Sie rauchen häufiger, ernähren sich schlechter und trinken mehr Alkohol, schreibt Studienleiterin Kirsten Nielsen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher im Journal of Epidemiology and Community Health.“
Gut, die Ergebnisse der Studie werden natürlich stimmen, das zweifele ich auch gar nicht an. Aber: Die Ergebnisse werden in keine Relation gestellt, Faktoren wie Jobsituation, Bildungsniveau, Einkommen werden nicht berücksichtigt oder erwähnt. Entsprechend bleibt natürlich völlig offen, was zu diesen Ergebnissen geführt hat. Das ist das eine.
Das andere ist: Überschrift und der Einleitungssatz – und das sind halt nun mal die Hingucker und das, was beim Online-Lesen dann auch letztlich so hängenbleibt, auch wenn es ein Wortspiel sein soll: Einsamkeit geht ans Herz -> Singles sind einsam und müssen daher früher sterben. Ungeachtet der Ursachen wird eine emotionale Begründung vorgelegt. Peng. Dass Gefühle und zum Beispiel Ernährung erstmal zwei ganz verschiedene Schuhe sind, spielt keine Rolle.
Es sind genau solche Feinheiten, die das Bild der Singles in unserer Gesellschaft prägen: Singles werden ganz automatisch mit Begriffen aus dem Bereich des Emotionalen belegt.